Aktuelles

Fachtag „Wir haben doch nichts gewusst“

Fachtag „Wir haben doch nichts gewusst – Fußball im Nationalsozialismus und die heutige gesellschaftliche Verantwortung im Sport“

Der nationalsozialistische Völkermord kostete mehr als fünf Millionen Jüdinnen und Juden das Leben. Doch im Nachhinein wollten zahlreiche Deutsche nichts davon bemerkt haben. Wie kann es sein, dass die Reichspogromnacht an ihnen vorbeiging? Dass sie nicht realisiert haben, dass die Nachbarin, der Verkäufer im Laden an der Ecke oder der Linksaußen des Lieblingsvereins plötzlich nicht mehr da ist? Und wie kann Erinnern und Gedenken dazu beitragen, dass »Auschwitz nicht noch einmal sei« (Adorno)?

Der FC St. Pauli setzt sich in einem fangeführten Museum kritisch mit der eigenen Geschichte im Nationalsozialismus auseinander und hat jüngst das Pädagogikprojekt »BAM! Bildung am Millerntor« gegründet. In Workshops für Schulklassen und Jugendgruppen werden Lebenswege jüdischer Spieler, die Rolle des Vereins und seiner Mitglieder zur Zeit des Nationalsozialismus, aktuelle rechte Entwicklungen im Fußball sowie gegenwärtige Diskriminierungen und Vorurteile diskutiert. Ziel ist dabei auch das Anregen zum Nachdenken über eigene Handlungen und daraus resultierende Konsequenzen für sich und die Gesellschaft.

Auch wir haben uns mit unserem Projekt mit den Lebenswegen jüdischer Spieler beschäftigt, ebenso mit der Rolle der Stuttgarter Kickers und seiner Mitglieder. Deshalb sind auch wir Teil dieses Fachtags und gesatlten diesen gemeinsam mit u.a einem Vertreter von BAM!.
Wir stellen unser Projekt vor, nehmen an Podiumsdiskussionen teil und stehen den Teilnehmer*innen Rede und Antwort und wollen ihnen vermitteln wie wichtig Erinnerungskultur heutzutage ist.

Zur Veranstaltung gelangt Ihr >>>hier<<<

Tags,

Pressemitteilung zur Verleihung des Julius Hirsch Preises 2019

+++ Pressemitteilung zur Verleihung des Julius Hirsch Preises 2019  +++
des Deutschen Fußball-Bundes

Stuttgart, 20. September 2019

Das Kickers Fanprojekt (https://kickers-fanprojekt.de) und die Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule (https://www.cotta-schule.de) erhalten den Julius Hirsch Preis 2019 des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Mit dem Julius Hirsch Preis zeichnet der DFB seit 2005 alljährlich Vereine, Initiativen und Personen aus, die sich „als Aktive auf dem Fußballplatz, als Fans im Stadion, im Verein und in der Gesellschaft beispielhaft einsetzten für die Unverletzlichkeit der Würde des Menschen und gegen Antisemitismus und Rassismus für Verständigung und gegen Ausgrenzung von Menschen für die Vielfalt aller Menschen und gegen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit“ (Zitat aus der Ausschreibung des DFB).

Das Kickers Fanprojekt und die Cotta-Schule hatten eine gemeinsame Bewerbung eingereicht für ihre beiden zunächst unabhängig voneinander gestarteten Projekte „Heimat Kickers – Die Blauen in bewegten Zeiten“ und „Fußball im Nationalsozialismus“.

Während das Kickers Fanprojekt in seiner historischen Recherche „Heimat Kickers – Die Blauen in bewegten Zeiten“ (https://kickers-fanprojekt.de/projekte/heimat-kickers/) 50 Jahre Vereinsgeschichte der Stuttgarter Kickers von deren Gründung 1899 bis 1949, dem Gründungsjahr der Bundesrepublik Deutschland, durchleuchtet hat, hat sich die Cotta-Schule in ihrem Projekt generell mit dem Fußball in der Zeit des Nationalsozialismus auseinander gesetzt, mit einem besonderen Fokus auf Stuttgart. Denn die Cotta-Schule ist eine Schule im Verbund der Stuttgarter Eliteschulen des Sports und hat unter anderem Kickersspieler in ihren Klassen.

Durch die parallele Aufarbeitung des Schicksals von Julius Baumann, einem Schiedsrichter der Stuttgarter Kickers jüdischen Glaubens, der 1942 in das KZ Mauthausen verschleppt und dort ermordet wurde, in beiden Projekten entstand der Kontakt zwischen Kickers Fanprojekt und Cotta-Schule. Dieser ging dann rasch in gemeinsame Aktivitäten über, die in einer Baumpflanzung zu Ehren von Julius Baumann im „Garten der Gerechten“ der Cotta-Schule unter Einbeziehung der italienischen Nonprofit-Organisation GARIWO im Mai dieses Jahres ihren Höhepunkt fand.

Gemeinsam mit dem Stuttgarter Theaterpädagogen Maouel Tavares haben Schüler*innen der
Cotta-Schule ein Theaterstück zum Schicksal von Julius Baumann entwickelt. Bisher wurde es bei der Baumpflanzung für Julius Baumann und während einer Veranstaltung in der Cotta-Schule aufgeführt. Darüber hinaus ist eine Aufführung während einer Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht am
8. November 2019 im Hospitalhof geplant.

Die Rechercheergebnisse des Projektes „Heimat Kickers – Die Blauen in bewegten Zeiten“ wurden in einer Ausstellung und einem 60-seitigen Booklet aufgearbeitet. Die Ausstellung ist im Rahmen des Traditions-Spieltages anlässlich des 120-jährigen Vereinsjubiläums der Stuttgarter Kickers an diesem Samstag im GAZI-Stadion auf der Waldau zu sehen.

Der Julius Hirsch Preis wird jedes Jahr an drei Preisträger vergeben und ist mit jeweils 7.000 Euro dotiert. Neben dem gemeinsamen Preisträger Kickers Fanprojekt und Cotta-Schule, die innerhalb des Gewinner-Trios den zweiten Platz erreichten, sind dies in diesem Jahr der FC Ente Bagdad aus Mainz auf dem ersten und ein Gemeinschaftsprojekt des VfL Osnabrück, des VfL-Museums, der Fanabteilung des Zweitligisten, des Fanprojekts Osnabrück und der Ultragruppe „Violet Crew 2002“ auf dem dritten Platz. Insgesamt hatten sich mehr als 100 Vereine, Initiativen und Personen um den Julius Hirsch Preis 2019 beworben.

Die Johann-Friedrich-von Cotta-Schule und das Kickers Fanprojekt widmen ihre Auszeichnung als Träger des Julius Hirsch Preises 2019 Kai Uwe Völschow, der als Mitarbeiter des Kickers Fanprojektes einer der Initiatoren und treibende Kraft von „Heimat Kickers – Die Blauen in bewegten Zeiten“ war und im Mai dieses Jahres im Alter von nur 49 Jahren völlig überraschend verstorben ist.

Die Projekte der Cotta-Schule und des Kickers Fanprojektes wurden gefördert von der Partnerschaft für Demokratie Stuttgart im Rahmen des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“, dem Innovationsfonds Kunst des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, der Egidius-Braun-Stiftung, dem Projekt StolperKunst im Verein Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V. und dem Stadtjugendring Stuttgart.

Tags, , ,

Baumpflanzung zu Ehren von Julius Baumann im „Garten der Gerechten“ der Cotta-Schule

Das Kickers Fanprojekt und die Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule pflanzten am 28. Mai auf dem Schulgelände einen Baum zu Ehren von Julius Baumann, dem ehemaligen Schiedsrichter der Stuttgarter Kickers, der wegen seines jüdischen Glaubens 1933 aus dem Verein ausgeschlossen und 1942 im Konzentrationslager Mauthausen ermordet wurde.

Mit dieser Baumpflanzung eröffnete die Cotta-Schule einen „Garten der Gerechten“, der nach dem Vorbild und unter Einbeziehung der italienischen Nonprofit-Organisation GARIWO (www.gariwo.net) angelegt wurde. Im Jahr 2003 hat GARIWO den ersten Garten der Gerechten auf dem Monte Stella in Mailand geschaffen, seither sind weltweit viele Städte diesem Beispiel gefolgt. Die Gärten der Gerechten ehren Persönlichkeiten, die sich selbstlos und unter Einsatz ihres Lebens eingesetzt haben, um ihre Mitmenschen vor politischer Verfolgung oder Ermordung zu retten.

Der Garten der Gerechten in der Cotta-Schule ist der erste seiner Art in Stuttgart. Julius Baumann wurde ausgewählt, weil sich sowohl das Kickers Fanprojekt als auch die Cotta-Schule in zunächst voneinander unabhängigen Projekten mit seiner Person beschäftigt haben und von seinem Schicksal, vor allem aber seiner menschlichen Größe beeindruckt und bewegt waren.

Das italienische Generalkonsulat hat die Idee zur Eröffnung eines „Garten der Gerechten“ an der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule von Beginn an unterstützt und begleitet. Generalkonsul Massimo Darchini war bei der Zeremonie anwesend.

Auch die Stuttgarter Kickers standen der Idee einer Baumpflanzung zu Ehren von Julius Baumann sofort sehr positiv gegenüber und waren am 28. Mai durch Prof. Dr. Rainer Lorz und Dr. Niko Kleinmann als Mitglieder des Präsidiums vertreten.

Als Ehrengast war Pip McCosh aus Neuseeland bei der Baumpflanzung dabei. Sie ist die Großnichte von Julius Baumann und war zu dieser Zeit auf Einladung der Stuttgarter Stolperstein-Initiativen zusammen mit ihrem Mann Andrew in Stuttgart zu Besuch.

Im Rahmen eines Theaterprojekts unter der Leitung des Theaterpädagogen Manoel Tavares befassen sich die Schüler*innen dreier Klassen der Cotta-Schule mit dem Lebensweg von Julius Baumann. Neben der historischen Perspektive, setzen sich die Schüler*innen auch mit aktuellen Formen von Ausgrenzung und Abwertung auseinander. Baumanns Lebensweg ist dabei die Grundlage für ein selbstentwickeltes Theaterstück, aus dem eine szenische Darstellung im Rahmen der Gedenkveranstaltung aufgeführt wurde. Im Anschluss an die ca. 1-stündige Zeremonie tauschte sich Pip McCosh mit dem am Theaterprojekt beteiligten Schüler*innen der Cotta-Schule aus, ehe sie noch in den Räumlichkeiten des Fanprojekts den Nachmittag in lockerer Atmosphäre ausklingen ließ und sich mit den Projektteilnehmer*innen und Fanprojekt-Mitarbeiter*innen unterhielt.

Tags, ,